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Ein neues Altersbild

Ein neues Altersbild

von admin

Die gängigen Vorstellungen vom Alt-Werden und Alt-Sein, wie wir sie bisher kennengelernt haben, zeigen ein Altersbild, das sich durch einen meist leidlichen körperlichen und geistigen Zerfallsprozess, durch Hilfsbedürftigkeit und generell durch den Abbau persönlicher Fähigkeiten und Interessen darstellt. Diesesnegativ besetzte Altersbild setzt Menschen der älteren Generationen mit Passivität, Funktionslosigkeit und Abhängigkeit gleich. Verstärkt wird dieser Stereotyp zusätzlich durch die Panikmache verschiedener Medien, die in der letzten Zeit die zukünftigendemografischen Entwicklungenin einem zumeist negativen Licht präsentieren. Unser gängiges Altersbild, das zu einem großen Teil auch auf der Wahrnehmung des Alterns früherer Generationen aufbaut, assoziiert mit den älteren Generationen somit eine wachsende gesellschaftliche Gruppe, die ein Laster darstellen und dadurch eineverminderte Wertschätzung erfahren.

Dieses Altersbild wandelt sich aber allmählich. Dem Negativbild wird eine Betrachtungsweise entgegengesetzt, die den Menschen in den Mittelpunkt rücken und seine Interessen und Fähigkeiten wahrnehmen und mit zunehmender Fitness und Aktivität im Alter verbinden. Auch die Potenziale, die die alternde Gesellschaft bietet, werden immer mehr in den Fokus gerückt. Die vormals getragenen Altersbilder erweisen sich dadurch als vorurteilsbehaftete Klischees, die inzwischen durch einerealistischere Darstellung des Altersbildes zu einer angebrachten Aufwertung geführt haben. Zudem haben die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Altersforschung zu einer differenzierten Wahrnehmung des Alters beigetragen, indem sie nicht nur die vorhandenen geistigen und körperlichen Potenziale unserer heutigen Altersgenerationen hervorheben, sondern zusätzlich eine Reihe an Erkenntnisse zur Bewahrung der eigenenVitalität bis ins hohe Alter liefern.

Natürlich ist die jetzige Vorstellung gegenüber unseren älteren Mitmenschen, die bis ins hohe Alter lebensfroh, wissbegierig und engagiert bleiben ein Idealbild, dem auch unter den besten Bedingungen lange nicht jeder folgen kann. Allerdings wird in Zukunft nicht nur der Anteil an älteren Menschen in unserer Gesellschaft steigen, sondern sich auch der Prozess des Alt-Werdens bei vielen Menschen in der eben beschriebenen Weise gestalten. Schon heute ist die Anzahl an Menschen, die auch in der zweiten Lebenshälfte durch ihre Vitalität, Mobilität und Neugierde ihreLebensqualität bis ins hohe Alter bewahren können, so groß wie nie.

Die Idee des lebenslangen Lernens

Die Idee des Lebenslangen Lernens trägt hierzu seinen Teil bei. Sie findet nicht nur im Kontext einer beruflichen Weiterbildung immer mehr Beachtung, sondern auch im Hinblick auf das Studieren im Alter oder einer zunehmenden gesundheitlichen Prävention. Zwei weitere, nicht zu vernachlässigende Aspekte zum Wohlbefinden im Alter stellen das Reisen und das ehrenamtliche Engagement dar. Auch die Politik reagiert auf die demografischen Veränderungen und rückte das Thema in den Mittelpunkt. So wurde das Jahr 2012 zum „Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen“ ausgerufen. In diesem Jahr wurden zahlreiche Projekte, die unter anderem den Fokus auf die Teilhabe von älteren Menschen am zivilgesellschaftlichen Leben gelegt hatten, vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.

Potenziale des heutigen Alt-Werdens

Den Menschen im reiferen Alter kommt heute nicht nur eine verlängerte Lebenszeit zugute, auch ihr Gesundheitszustand kann sehr lange bewahrt werden. Dieses führt bei vielen Angehörigen der älteren Generationen zu einer guten körperlichen und geistigen Verfassung und einer dementsprechend aktiven Lebensgestaltung bis ins hohe Alter. So besitzt der heutige Prozess des Alt-Werdens aufgrund der hinzu gewonnenen Lebenszeit und einer verlängerten Bewahrung eines guten Gesundheitszustands nicht nur das Potenzial einer aktiven und zufriedenstellenden Lebensgestaltung bis ins hohe Alter, sondern auch eine Reihe positiven Auswirkungen auf unsergesellschaftliches Zusammenleben. Kinder können vermehrt von älteren Erwachsenen lernen, der Erfahrungshorizont der älteren Generation kann ausgeschöpft werden und auch im Bereich des Wohnens führt der demografische Wandel zu neuen Potenzialen. Durch eine überalterte Gesellschaft müssen neue Wohnkonzepte geschaffen und innovative Konzepte erdacht werden. Vor allem aber muss das gängige Altersbild überdacht werden.

Eine aktive Generation

Menschen, die sich in ihrer zweiten Lebenshälfte befinden, besitzen heute in verschiedener Hinsicht eine Reihe an Potenzialen, die sie nicht nur für die Bewahrung ihrer eigenenLebensqualität bis ins hohe Alte r nutzen können, sondern die auch im Zusammenhang mit der zukünftigen gesellschaftlichen Entwicklung eine tragende Rolle spielen. Ein neues positives Altersbild- entwickelt sich innerhalb der Gesellschaft und führt zu einer bewussteren Wahrnehmung des Alters. Tendenziell steigt der Anteil an Menschen, die sich in ihrem Ruhestand weiterhin einer besten Gesundheit erfreuen, finanzielle abgesichert sind und sich an den Möglichkeiten einer aktiven Bewahrung ihrer Lebensqualität erfreuen können. Ob es um die Erfüllung lang gehegter Reiseträume, dem Drang nach Weiterbildung oder dem Willen anderen zu helfen und sich ehrenamtlich zu engagieren geht, das Selbstverständnis der älteren Generation zeigt sich auf einer persönlichen Ebene immer häufiger in einer aktiven Lebensführung.

Die aktive Lebensführung vieler älterer Menschen wirkt sich dabei auch positiv auf dieZukunftspotenziale Deutschlands aus. Sei es in wirtschaftlicher, sozialer, politischer oder kultureller Hinsicht, die Generation ab 50+ ist und wird zu einer treibenden Kraft für die jetzigen und zukünftigen Gesellschaftsentwicklungen. Ein grundlegendes und wachsendes Potenzial liegt in einer geistigen und körperlichen Gesundheit vieler älterer Erwachsener, die eine hohe Leistungsbereitschaft bis ins hohe Alter bewahren können und dadurch die Grundlage für eine zufriedenstellende Lebensführung sowie eine gesellschaftliche Teilhabe schaffen.

Berufliche Potenziale der neuen Altersgeneration

Viele ältere Erwachsene bleiben mit dem Alter weiterhin wissbegierig. Dieses fördert zum einen auf persönlicher Ebene die geistige Gesundheit, trägt zum anderen aber auch in beruflicher Hinsicht dazu bei, die steigenden Anforderungen des Berufslebens zu erfüllen. Dieses Potenzial kann in gesellschaftlicher Hinsicht dazu beitragen, den bestehenden Fachkräftemangel zu reduzieren. Da es mit dem Alter schwieriger wird, nach Arbeitslosigkeit einen neuen Job zu finden, gibt es bundesweit einige Initiativen, die sich auf die Vermittlung von Arbeitnehmern 50+ spezialisiert haben. Einige Unternehmen reagieren mittlerweile auch auf den Fachkräftemangel und stellen bewusst ältere Arbeitnehmer ein oder fördern sie durch eine Weiterbildung in bestimmten Berufsfeldern. Ein Vorteil der älteren Generation ist, dass sie auf langjährige Erfahrungswerte innerhalb der Berufswelt zurückgreifen können und somit für die Kompetenzbildung und Wissensvermittlung an jüngere Arbeitnehmer im Unternehmen von großer Bedeutung sind.

Die neue Altersgeneration und ihre gesellschaftlichen Potenziale

Ein weiteres Potenzial vieler Menschen im vorangeschrittenen Alter zeigt sich in ihrem Willen an gesellschaftlicher Teilhabe, die schon heute in unterschiedlichsten Formen zum Ausdruck kommt. Aus diesem Grund engagiert sich bereits heute eine wachsende Anzahl der über Fünfzigjährigen ehrenamtlichen und zeigt somit soziales, bürgerschaftliches oder politisches Engagement.

Durch die aktive Mitsprache und Handlungsbeteiligung innerhalb verschiedener Gesellschaftsfelder erhält man das Gefühl, auch nach dem Berufsleben einer sinnvollen und verantwortungsvollen Tätigkeit nachzugehen. Durch bürgerschaftliches Engagement kann der sozialen Isolation und einem aufkommenden Sinnverlust im Alter entgegengewirkt werden. Weiterhin wird durch den direkten Dialog zwischen alter und junger Generation ein Erfahrungsaustausch angeregt, von dem alle Generationen profitieren.

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